Forschertage in der Kita „Liliput“ in Windischholzhausen

Jeden zweiten Mittwoch findet in der Kita „Liliput“ in Windischholzhausen der „Forschertag“ statt. Die Kinder haben die Möglichkeit an einer kleinen Forscheraktivität in verschiedenen MINT-Bereichen teilzunehmen. Da diese Art Bildungsgelegenheit noch nicht lange in der Einrichtung läuft, suchte eine pädagogische Fachkraft, mit Unterstützung einiger Kinder, im Vorfeld viele Ideen heraus, welche Experimente durchgeführt werden könnten. Nach jedem „Forschertag“ steht den Kindern das zum Forschen genutzte Material mindestens die nächsten zwei Wochen zur freien Verfügung, um damit weiter zu spielen, zu forschen und zu entdecken.
Zukünftig ist es angedacht, dass die Kinder aus ihrem Erfahrungsschatz zu einem Thema im Vorfeld Wünsche äußern und dann gemeinsam nach einem passenden Experiment schauen oder Experimente auf Wunsch öfter in der Gemeinschaft wiederholt werden. Wie sich das genau entwickelt, dass wird uns die Zeit zeigen.

Das Lieblingsexperment der Kinder: „Die schwarze Tomate“ – oder „Verschluckte Farben“
Für diese Aktivität braucht es nicht viel:

  • mehrere verschieden farbige Folien
  • in passender Größe zu den Folien werden Ausdrucke von unterschiedlichen Obst- und Gemüsesorten benötigt (auch anderen einfarbigen Dinge wie Bsp. Spielzeuge möglich)


Das Material stand im Forscherraum bereit und wer wollte, konnte sich mit diesem auseinandersetzen. Die Kinder kamen schnell auf die Idee, die Folien auf die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten zu legen und teilten freudig ihre neu gewonnen Erkenntnisse mit:

„Wenn ich das blaue auf die Tomate lege, dann ist sie fast schwarz.“
„Aber wenn ich das rote auf die Banane lege, dann ist die Banane weg.“
„Wenn ich das gelbe auf die Blaubeeren lege, sieht es fast gleich aus.“

Es wurde abgewechselt, ausgetauscht, geredet…
Zwischendurch stellte die Pädagogin Forscherfragen:

„Wieso verschwindet denn die Banane?“
„Weiß jemand, warum die Tomate fast schwarz aussieht?
„Warum verändern sich wohl die Blaubeeren kaum, wenn die gelbe Folie draufgelegt wird?“

Die Kinder äußerten ihre Vorstellungen, konnten sich das Phänomen aber zumeist nicht erklären.
„Weil das ein Zaubertrick ist.“
„Ich weiß es nicht.“
Ein Junge stellte aber richtig fest: „Rot und Blau vermischen sich. Aber eigentlich ist das lila. Das sieht nur fast schwarz aus.“

Die Pädagogin versuchte den Kindern ganz einfach zu erklären, dass die Farbe der Folie die gleichen oder helleren Farben „verschlucken“ kann und ergänzte die Aussage des einen Kindes, dass wenn Obst und Folie unterschiedliche Farben besitzen, die Farben gemischt werden.

Bei einigen Kindern gab das einen kleinen AHA-Effekt und sie versuchten dann vorherzusagen, was passiert, wenn bestimmte Farben auf bestimmte Obstsorten kombiniert gelegt werden. Die Ältesten konnte zum Teil schon gut ihr Vorwissen der Farbenlehre in Bezug auf Mischfarben einbringen. Ein Kind entdeckte, dass das Obst „verschwindet“ – „man sieht das Obst nicht mehr“, wenn alle Farbfolien übereinander draufgelegt werden. Erstaunte und auch fragende Gesichter schauten die Pädagogin an.

Sie erklärte den Kindern, dass es grundlegend nur 3 Farben gibt. Alle anderen sind aus den anderen Farben gemischt. Wenn man also statt durch „weißes“ Licht zu schauen, durch alle 3 Farben schaut, dann können die anderen Farben nicht mehr gesehen. Sie sind „verschluckt“
Die Kinder waren begeistert.

Nach der Erklärung begannen nun einige Kinder sich einzelne Folien vor die Augen zu halten, die nächsten hielten sich zwei unterschiedliche Farbfolien jeweils vor ein Auge und manche mehrere über beide Augen.

Die Kinder schauten umher und gaben lautstark wieder, wie sich ihre Umwelt durch die Farbfolien verändert, welche Folien eine starke Wirkung haben und welche weniger. Auch in den darauf folgenden Tagen betrachteten die Kinder ihre Umgebung immer wieder durch die Folien und tauschten sich über ihre neu gewonnenen Erfahrungen aus.

Während der Corona-Schließzeit wurde das Experiment in der Kita „Liliput“ wiederholt. Eines der Kinder, was am Forschertag teilgenommen hatte, erklärte dann den anderen Kindern, was sie gemacht und erlebt hatte. Es gab ihr durch das Experimentieren neu erworbene Wissen an die anderen weiter. Gemeinsam beschäftigten sich die Kinder erneut mit dem Material.

Autorin: Nancy Schirmer (Erzieherin), Kita „Liliput“ Windischholzhausen

08. Juni 2020